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Welche Hormonuntersuchungen sollten Sie vor Kinderwunsch durchführen lassen?

Eine umfassende Hormonanalyse ist ein essenzieller Bestandteil des Kinderwunsch-Checks. Sie liefert wichtige Informationen über Ihre Eizellreserve, Zyklusfunktion und allgemeine hormonelle Gesundheit. So können Ärztinnen und Ärzte mögliche Störfaktoren frühzeitig erkennen und individuelle Behandlungspläne erstellen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Hormonbefunde sinnvoll sind, wann sie im Zyklus erhoben werden und wie Sie sich optimal darauf vorbereiten.

1. Zyklusrelevante Hormone

1.1 FSH (Follikelstimulierendes Hormon)

  • Zeitpunkt der Messung: Zyklustag 2–3 (erster bis dritter Menstruationstag)

  • Bedeutung: Hohe FSH-Werte (> 10 mIU/ml) deuten auf sinkende ovariellen Reserve, da die Hirnanhangdrüse stärker stimulieren muss.

1.2 LH (Luteinisierendes Hormon)

  • Zeitpunkt: Zyklustag 2–3 gemeinsam mit FSH

  • Bedeutung: LH/FSH-Quotient > 2:1 kann auf PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) hinweisen.

1.3 Östradiol (E₂)

  • Zeitpunkt: Zyklustag 2–3

  • Bedeutung: Erhöhter Estradiol-Spiegel (> 80 pg/ml) kann FSH-Wert verfälschen und auf eine verminderte Reserve hinweisen.

1.4 Progesteron

  • Zeitpunkt: Zyklustag 21–23 oder 7 Tage nach vermutetem Eisprung

  • Bedeutung: Progesteron ≥ 10 ng/ml bestätigt erfolgten Eisprung und intakte Gelbkörperfunktion.

2. Ovarreserve-Marker

2.1 AMH (Anti-Müller-Hormon)

  • Zeitpunkt: Zyklusunabhängig – jederzeit im Monat möglich

  • Bedeutung: Spiegel korreliert mit Anzahl antraler Follikel; Werte von 1–3 ng/ml gelten als ideal für reproduktives Alter. Niedrige Werte (< 1 ng/ml) sprechen für reduzierte Reserve.

2.2 Antrale Follikelzahl (AFC)

  • Verfahren: Ultraschall an Zyklustag 2–5

  • Bedeutung: Zählung aller Follikel 2–10 mm; AFC < 5 deutet auf geringe Reserve, > 15 auf PCOS-Hintergrund.

3. Schilddrüsen- und Nebennierenhormone

3.1 TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)

  • Zeitpunkt: Zyklusunabhängig

  • Bedeutung: Idealwert 0,5–2,5 mIU/l. Ab TSH > 2,5 mIU/l Hypothyreose abklären und ggf. behandeln.

3.2 fT₃ / fT₄ (freie Schilddrüsenhormone)

  • Zeitpunkt: Bei Abweichung TSH

  • Bedeutung: Spiegel zeigen tatsächliche Hormonversorgung; fT₄ im oberen Drittel, fT₃ im mittleren Referenzbereich angestrebt.

3.3 Cortisol und DHEA-S

  • Zeitpunkt: Morgens um 8 Uhr

  • Bedeutung: DHEA-S als Androgen-Marker; Cortisol bei Verdacht auf Stress- oder Nebennierenachsen-Störungen.

4. Geschlechtshormone und Insulin

4.1 Prolaktin

  • Zeitpunkt: Zyklustag 2–3, Morgenstunde, nüchtern

  • Bedeutung: Erhöhtes Prolaktin (> 25 ng/ml) kann Ovulationsstörungen verursachen; oft Mikroadenom abklären.

4.2 Androgene (Testosteron, DHEA-S)

  • Testosteron: Freies und Gesamt-Testosteron, Zyklusunabhängig

  • DHEA-S: Morgenmuster, Zyklusunabhängig

  • Bedeutung: Erhöhte Werte sprechen für PCOS oder Nebennierenhintergrund.

4.3 Insulin und Glukose

  • Test: Nüchtern-Glukose und Insulin, evtl. oraler Glukosetoleranztest

  • Bedeutung: Insulinresistenz ist häufig bei PCOS und verschlechtert Zyklusregularität.

5. Weitere relevante Parameter

5.1 SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)

  • Bedeutung: Verhältnis freies Testosteron/SHBG als Marker für Androgenaktivität.

5.2 AMH und Antrale Follikelzahl im Kontext

  • Beide Parameter gemeinsam auswerten, um individuelle Reserve und Prognose abzuleiten.

5.3 Östriol und Gestagene in der Schwangerschaftsvorsorge

  • Später im Behandlungsverlauf ergänzend.

6. Vorbereitung auf die Hormonuntersuchung

  1. Morgendliche Blutentnahme: Zwischen 8 und 10 Uhr, nüchtern (keine Kalorien, Wasser erlaubt).

  2. Medikamente: Nach Rücksprache absetzen oder protokollieren (z. B. Schilddrüsenmedikation).

  3. Stressreduktion: Extremer akuter Stress kann Cortisol und Prolaktin kurzfristig erhöhen.

  4. Dokumentation: Zyklustag, Zykluslänge und Besonderheiten notieren, damit Ergebnisse richtig eingeordnet werden.

7. Interpretation und Therapie

  • Reservesituation: Niedrige AMH und hohe FSH-Werte → frühzeitige Kinderwunschbehandlung oder Social Freezing.

  • Zyklusstörungen: Abklärung PCOS (LH/FSH-Quotient, Androgene, Insulinresistenz).

  • Schilddrüse: Beginn einer levothyroxinbasierten Therapie ab TSH > 2,5 mIU/l bei Kinderwunsch.

  • Hyperprolaktinämie: Dopamin-Agonisten (z. B. Bromocriptin) senken Prolaktin und normalisieren Zyklus.

Zusammenfassung

Ein strukturierter Hormon-Check vor Kinderwunsch umfasst zyklusrelevante Hormone (FSH, LH, Östradiol, Progesteron), Ovarreserve-Marker (AMH, AFC), Schilddrüsenhormone (TSH, fT₄/fT₃), Prolaktin, Androgene und Glukose-Insulin-Parameter. Die Befunde ermöglichen eine individuelle Risikoabschätzung, frühzeitige Intervention und maßgeschneiderte Therapie, um Ihre Fruchtbarkeitschancen optimal zu nutzen. Eine sorgfältige Vorbereitung—nüchtern, am richtigen Zyklustag und unter Beachtung von Medikamenten—ist entscheidend, um valide Ergebnisse zu erhalten.

Deine Expertin zum Thema Kinderwunsch

Kinderwunsch mit Karol

Herzlich willkommen, ich bin Karol! Seit fast 8 Jahren widme ich mich mit Herz und Seele der Begleitung von Frauen und Paaren mit Kinderwunsch. In dieser Zeit durfte ich über 2.000 Menschen dabei unterstützen, ihren Traum von einem Kind zu verwirklichen.

Ich verstehe die emotionalen Höhen und Tiefen, die der Kinderwunsch mit sich bringt. Deshalb biete ich dir nicht nur meine Expertise, sondern vor allem viel Empathie, Verständnis und eine individuelle Betreuung, die genau auf deine Bedürfnisse abgestimmt ist.